Zeitungsartikel MOZKurzportrait & Interview

By 17. Juli 2020Allgemein

Zeitungsartikel MOZ

Kurzportrait & Interview

03. Juni 2020 / BLOG, MEDIEN

An professionellen Fotografinnen und Fotografen mangelt es Oberhavel nicht. “Es gibt wirklich viele, und dazu noch viele gute”, sagt Sophie Brand. Sie ist selbst gelernte Fotografin. Im vorigen Jahr hat sich die 22-jährige Oranienburgerin selbstständig gemacht. Obwohl der “Markt voll ist”, möchte sie mit ihrem Label “Glückskind” einen Akzent setzen in der Region.

Die schonungslose Selbstinszenierung von Cindy Sherman, der schmerzlich intime Blick von Sally Mann, die starken Außenseiter von Diane Arbus, die unverblümte Offenlegung von Sex und Tod bei Nan Goldin – berühmte Fotografinnen haben die Sicht auf die Welt verändert. Sophie Brand steht ganz am Anfang ihrer Karriere. Sie möchte mit ihrer ungekünstelten und zeitlosen Fotografie eine Nische besetzen. Momentaufnahmen, nicht gestellt, emotional, natürliches Licht, keine erzwungenen Posen: Dafür stehe “Glückskind”. Paare und Familien hält sie in persönlichen Momenten fest.

Handwerk und Freiraum

Nach dem Abitur am Oranienburger Runge-Gymnasium absolvierte Sophie Brand ihre duale Ausbildung in Berlin. Bei den Fotografen von “Hochzeitslicht” – Abschluss: Juni 2019 – ist sie nach wie vor als Freelancerin tätig. “Dort habe ich gemerkt, dass mein Traum wahr werden kann”, sagt sie. Sie habe ihr Handwerk erlernt und gleichzeitig Freiraum zur Entwickelung des eigenen Stils bekommen.

Sophie Brand hat zwei Projekte, die unterschiedliche Kunden ansprechen sollen: Mode- und Porträtfotografie bietet sie unter ihrem Namen an, Familienfotografie unter dem Zusatz “Glückskind”. “Es ist wichtig, wie man sich auf dem Markt positioniert”, sagt die junge Fotografin, die selbst wirkt wie eine Mischung aus Cara Delevingne und Independent-Queen Chloë Sevigny.

Der kreative Lebensweg war vorbestimmt. Ihre Vorbilder: die Eltern. Sabine Brand und ihr Mann sind freischaffende Musiker. “Mir wurde das irgendwie in die Wiege gelegt. Auch das Vertrauen, dass man vor der Selbstständigkeit keine Angst haben muss.” Als nach dem Abitur die Frage im Raum stand, ob sie Lehramt studieren oder doch die Fotoschiene einschlagen sollte, “da habe ich einfach auf mein Herz gehört”. Ihre Eltern seien dafür immer eine Inspiration gewesen. “Sie haben mir gezeigt, dass man in seiner Kunst frei sein kann.” Und trotzdem die Miete aufbringen kann.

Spezialisierung: Mensch

Sophie Brand hat sich auf Menschen in all ihren Schattierungen – vor allem in ihren hellen Momenten – spezialisiert. Ihre Fotos wirken dabei wie Schnappschüsse. “Ich will niemanden in eine Pose zwängen, sondern Menschen zeigen, wie sie sind.” Deshalb sollen sich bei ihr Kinder frei bewegen, sie werden auf keinen Hocker gesetzt. “Sie müssen nicht stehenbleiben, weil ich ein Foto machen will, ich fange sie in ihrer Bewegung ein.” Die Fotos verteilt sie oft als Serien, sodass eine Reportage entsteht.

Es komme beim Fotografieren nicht nur auf die Technik an. “Fotografie ist so viel mehr als nur auf den Auslöser zu drücken.” Wichtig sei die Ebene zwischen ihrer Kameralinse und den lebendigen Motiven. Diese Distanz müsse sie jedes Mal überbrücken. “Dafür sind eine gute Kommunikation und Vertrauen wichtig.”

Neben “Glückskind” fotografiert Sophie Brand unter “Sophie Brand Photography” Mode und Models. Sie war auf der Berliner Fashion Week, hat für Zalando und Wrangler fotografiert, hatte Shootings für internationale Magazine und mit der deutschen Schauspielerin Lea Woitack (“Gute Zeiten, schlechte Zeiten”). Auch hier interessieren sie Charaktere. Und vielleicht etwas die Spiegelung. Sophie Brand sagt: “In jedem Bild steckt auch ein bisschen von einem selbst.”

Text und Foto: © Marco Winkler